Als wir vor Jahren die Wände strichen, stand ich mit sechs Farbkarten in der Hand vor der Küche und konnte mich nicht entscheiden. Mein Mann schlug ein neutrales Grau vor, praktisch, zeitlos, sicher. Ich dachte an das Haus meiner Großmutter, an die Delfter Kacheln, an Terrakottatöpfe auf der Fensterbank, und wusste plötzlich, dass Grau für mich falsch wäre. Seitdem ziehen sich Terrakotta, Oliv und Creme durch fast jeden Raum bei uns, nicht als strenges Konzept, sondern als Farben, die zu den Dingen passen, die ich sammle. Manchmal ist die richtige Entscheidung einfach die, die sich vertraut anfühlt.
Warum genau diese drei Farben
Terrakotta erinnert mich an die Töpfe im Garten meiner Großmutter, an warme Sommerabende, an Erde nach dem Regen. Oliv kam später dazu, über eine Wand im Flur, weil es zu Grün tendiert, ohne aufdringlich zu wirken, und gut zu Messing und altem Holz passt. Creme bildet die ruhige Grundfläche, auf der die anderen beiden Farben atmen können, ohne dass der Raum zu dunkel oder zu voll wirkt. Zusammen ergeben sie eine Palette, die nie aus einem Designbuch stammte, sondern langsam aus dem entstand, was ich über die Jahre gesammelt habe, ein Fundstück nach dem anderen, bis das Muster sich von selbst zeigte.
Wandfarben, die ich tatsächlich verwendet habe
In der Küche strichen wir eine gebrochene Terrakottafarbe, nicht das kräftige Orange, das man oft in Katalogen sieht, sondern ein gedämpfter, staubiger Ton, der abends im Lampenlicht fast rosig wirkt. Der Flur bekam ein dunkles Oliv bis zur halben Höhe, mit einer hellen Holzleiste als Abschluss, was den schmalen Raum überraschend größer wirken ließ, statt ihn zu erdrücken. Das Wohnzimmer blieb bewusst in Creme, als ruhiger Hintergrund für die vielen Objekte, Rahmen und Vasen, die dort stehen. Ich habe vorher kleine Musterflächen gestrichen und tagelang beobachtet, wie das Licht sie zu unterschiedlichen Tageszeiten verändert, bevor ich mich festlegte.
Wie alte Stücke in dieser Palette wirken
Messing und Bronze leuchten vor Oliv und Terrakotta deutlich wärmer als vor einem kühlen Grau, das habe ich erst gesehen, nachdem die Wände fertig waren. Delfter Blau, eigentlich ein kühler Farbton, bricht sich überraschend gut an der cremefarbenen Wand, ohne kalt zu wirken, weil das Umfeld selbst schon warm gestimmt ist. Elena hat mir einmal gesagt, meine Wände seien wie eine Grundierung für alles, was ich noch dazustelle, und ich glaube, genau das war unbewusst mein Ziel. Neue Funde vom Flohmarkt füge ich inzwischen fast automatisch in diese drei Farben ein, bevor ich überhaupt einen Platz dafür gesucht habe.



