Jeden Oktober gehe ich mit einer alten Stofftasche in den Wald hinter unserem Haus, offiziell für einen Spaziergang, tatsächlich um Kastanien zu sammeln. Meine Nachbarn kennen den Anblick inzwischen: eine Frau Mitte fünfzig, die sich nach glänzenden braunen Kugeln bückt, als hätte sie nichts Wichtigeres zu tun. In diesem Alter habe ich aufgehört, mich dafür zu schämen.
Kastanien als kostenlose Dekoration
Kastanien in einer alten Kupferschale sehen für mich eleganter aus als jede gekaufte Herbstdeko, und sie kosten nichts außer einem Nachmittag Spaziergang. Ich wähle die glänzendsten Exemplare aus, ohne Risse oder Wurmlöcher, und lege sie locker in flache Schalen statt sie zu stapeln, damit das Licht auf jeder einzelnen glänzt.
Nach ein paar Wochen werden sie stumpf und schrumpelig, das ist normal und kein Zeichen von Fehlern beim Sammeln. Ich tausche sie dann einfach aus, statt zu versuchen, sie mit Öl aufzupolieren, was ich einmal probiert und danach bereut habe - die Schale bekam Flecken.
Kürbisse: mehr als nur orange
Ich kaufe Kürbisse inzwischen gezielt nach Form und Farbe statt nach Größe, kleine gewöhnliche neben knubbeligen Zierkürbissen in Grün, Weiß und Gestreift. Auf der Treppe vor dem Haus stelle ich sie nie symmetrisch auf, sondern in ungeraden Gruppen von drei oder fünf, mit unterschiedlicher Höhe.
Ein Kürbis mit langem, gebogenem Stiel wirkt für mich fast wie eine kleine Skulptur und bekommt bei mir oft einen Ehrenplatz allein auf einem alten Holzhocker, statt in der großen Gruppe unterzugehen.
Kupfer: der Glanz, der zum Herbst passt
Kupfer und Herbstlicht gehören für mich einfach zusammen, dieses warme, leicht rötliche Schimmern passt zu den Blättern draußen wie kaum ein anderes Material. Ich habe über die Jahre Kupfertöpfe gesammelt, die eigentlich zum Kochen gedacht waren, aber bei mir längst als Übertopf oder Schale dienen, mit sichtbaren Beulen, die ich nie ausbeulen lasse.
Zu stark poliertes Kupfer wirkt für mich fast kalt, fast wie Edelstahl. Ich lasse eine leichte, ungleichmäßige Patina zu, poliere nur die Innenseite, wenn ich tatsächlich darin koche, und die Außenseite bleibt, wie das Alter sie gemacht hat.
Naturmaterial, das ich nicht kaufe
Neben Kastanien sammle ich im Herbst auch Zapfen, Eicheln und Zweige mit Hagebutten, alles auf demselben Waldstück, das ich seit Jahren beobachte. Ein Korb aus geflochtener Weide, den ich auf einem Flohmarkt gefunden habe, ist inzwischen mein festes Sammelgefäß dafür geworden.
Zu Hause verteile ich die Fundstücke auf mehrere kleine Schalen statt einer großen Ansammlung, weil ein einzelner überfüllter Korb schnell unordentlich statt herbstlich wirkt. Elena sagt, ich solle lernen, auch mal etwas liegen zu lassen im Wald - bisher gelingt mir das nur selten.



