In Venedig, auf einer Reise mit Elena, standen wir vor einem kleinen Laden auf Murano und starrten beide auf dieselbe Vase, bauchig, mit eingeschmolzenen Blasen und einem Farbverlauf von Türkis zu Klar. Elena, mit ihrem Malerauge, sah sofort die Unregelmäßigkeiten, die ein Stück erst lebendig machen. Ich kaufte die Vase, trug sie im Handgepäck nach Hause wie ein rohes Ei, und seitdem steht sie auf meiner Fensterbank, wo das Nachmittagslicht durch sie hindurchscheint. Seit diesem Tag schaue ich mir Glas anders an, nicht nur auf die Form, sondern darauf, wie es sich anfühlt und wie es Licht durchlässt, fast wie ein kleines, stilles Fenster für sich.
Woran ich echtes Murano-Glas erkenne
Echtes Murano-Glas zeigt fast immer kleine Unregelmäßigkeiten, winzige Luftblasen, leicht unterschiedliche Wandstärken, einen Boden, der nie ganz perfekt eben ist. Maschinell hergestelltes Glas wirkt dagegen zu gleichmäßig, fast steril, ohne diese kleinen Abweichungen, die beim Mundblasen entstehen. Ich fasse ein Stück auch gerne an der Kante an, echtes mundgeblasenes Glas fühlt sich oft minimal wellig an, statt völlig glatt. Ein Echtheitszertifikat oder ein kleiner Aufkleber hilft zusätzlich, ist aber kein Garant, denn Aufkleber lassen sich leicht entfernen und wieder anbringen. Am meisten vertraue ich inzwischen meinen Augen und Elenas geschultem Blick, wenn sie dabei ist.
Licht und die Fensterbank als Bühne
Eine Fensterbank ist für farbiges Glas fast immer der beste Platz im Haus, weil das Licht direkt hindurchwandert und die Farbverläufe erst richtig zum Leben erweckt. Ich stelle meine Murano-Vase bewusst dort, wo die Nachmittagssonne einfällt, nicht die grelle Mittagssonne, sondern das weichere, tiefer stehende Licht. Mehrere Glasstücke nebeneinander verstärken den Effekt, weil sich Farben und Reflexionen gegenseitig aufnehmen, allerdings nur, wenn genug Abstand bleibt, damit jedes Stück noch für sich wirken kann. Neulich habe ich in einem Online-Shop eine Murano-Stil-Glasvase gesehen, deren Form genau diese Lichtwirkung aufgreift, mit einem ähnlichen Farbverlauf wie meine eigene.
Vorsicht bei Reinigung und Aufstellung
Buntglas reinige ich nur mit lauwarmem Wasser und einem weichen Tuch, nie mit scharfen Mitteln, die die Oberfläche stumpf machen könnten. Direkte, pralle Sonne über Stunden vermeide ich inzwischen, nachdem eine ältere Glasschale von mir nach einem heißen Sommer feine Spannungsrisse zeigte, vermutlich durch die Kombination aus Hitze und schnellem Abkühlen abends. Beim Aufstellen achte ich außerdem auf einen stabilen Untergrund ohne Erschütterungen, eine Fensterbank, auf der oft die Balkontür schlägt, ist weniger geeignet als ein ruhiger Sims. Diese kleinen Vorsichtsmaßnahmen haben mir schon mehr als ein Stück gerettet, das sonst wahrscheinlich zerbrochen wäre.



