An der Treppe hängen bei mir sieben Bilderrahmen, keiner von ihnen enthält noch das Bild, für das er einmal gedacht war. Drei sind leer und rahmen nur die Wandfarbe dahinter, in zwei stecken Spiegel, einer zeigt ein Aquarell von Elena, und der letzte, mein liebster, umrahmt gar nichts außer einem alten Zeitungsausschnitt über einen Markt in Nijmegen. Vergoldete Rahmen vom Flohmarkt landen bei mir selten mit ihrem ursprünglichen Inhalt an der Wand. Meistens finde ich sie leer, manchmal mit einem traurigen Druck darin, und dann beginnt die eigentlich interessante Frage: Was passt hier stattdessen hinein?
Spiegel statt Bild
Mein liebster Trick ist, einen einfachen Spiegelzuschnitt vom Glaser in einen alten Rahmen setzen zu lassen. Das kostet meist wenig, weil nur das Glas ersetzt wird, nicht der ganze Rahmen, und ein vergoldeter oder cremefarbener Rahmen wirkt um einen Spiegel herum plötzlich viel wertvoller, als er allein je gewirkt hätte. Ich messe die Innenkante genau aus, gehe mit den Maßen zum Glaser und bitte um Rundum-Zuschnitt mit ein bis zwei Millimeter Spiel. Bei einem ovalen Rahmen aus Kleve hat das nicht auf Anhieb geklappt, der erste Zuschnitt war zu groß, und ich musste noch einmal hin. Seitdem messe ich lieber zweimal.
Eine Gruppe an der Wand
Einzeln wirken kleine Rahmen oft verloren, aber als Gruppe erzählen sie plötzlich eine Geschichte. Ich lege die Rahmen vorher auf dem Boden aus, verschiebe sie so lange, bis Abstände und Größen stimmig wirken, und übertrage die Anordnung erst dann mit Papierschablonen an die Wand. Wichtig finde ich, nicht zu symmetrisch zu arbeiten, ein leicht unregelmäßiges Muster wirkt lebendiger als eine strenge Reihe. Neulich habe ich in einem Online-Shop ein MadDeco Bilderrahmen Set in Vintage-Gold gesehen, das genau diese unregelmäßige Wirkung schon von Haus aus mitbringt, zwei unterschiedliche Formate im selben Goldton. So etwas mische ich gerne unter meine echten Flohmarktfunde.
Stockflecken und was dagegen hilft
Manche Rahmen riechen nach Keller, mit feinen bräunlichen Flecken auf der Rückpappe oder sogar im Holz selbst. Die Pappe tausche ich grundsätzlich aus, das ist günstig und beseitigt den Geruch fast vollständig. Bei Flecken direkt im Holz oder in der Vergoldung greife ich vorsichtig ein, mit leicht angefeuchtetem Tuch und viel Geduld, denn zu aggressives Schrubben trägt die Goldschicht sofort mit ab. Manche Flecken bleiben, und ich habe gelernt, sie als Teil der Geschichte zu akzeptieren, solange sie nicht mehr riechen. Ein Rahmen muss nicht makellos sein, um an meiner Wand zu hängen, er muss nur ehrlich aussehen.



