Der Flur ist der Raum, den die wenigsten Gäste bewusst wahrnehmen und in dem ich trotzdem am meisten Zeit mit der Einrichtung verbracht habe. Man steht dort nur wenige Sekunden, zieht Schuhe aus, hängt eine Jacke auf, aber genau in diesen Sekunden entsteht der erste Eindruck vom ganzen Haus. Bei mir hängen dort gusseiserne Wandhaken, ein alter Schirmständer und ein Spiegel, alles gebraucht gekauft, und ich bin überzeugt, dass gerade der Flur ein Raum ist, in dem gebrauchte Stücke besonders gut funktionieren.
Gusseiserne Wandhaken statt Plastikleiste
Die Wandhaken habe ich einzeln gesammelt, über mehrere Jahre und mehrere Flohmärkte, sodass keine zwei völlig gleich sind, auch wenn sie sich in Form und Farbe ähneln. Gusseisen hat gegenüber den üblichen Garderobenleisten aus dem Möbelhaus einen klaren Vorteil: Es hält auch schwere, nasse Wintermäntel ohne durchzuhängen, und die Patina wird mit den Jahren eher schöner statt schäbiger. Beim Montieren braucht man allerdings gute Dübel, weil das Eigengewicht der Haken schon beträchtlich ist, bevor überhaupt eine Jacke daran hängt.
Der Schirmständer mit Geschichte
Meinen Schirmständer, ein zylindrisches Gefäß aus verziertem Blech, habe ich von einer älteren Nachbarin übernommen, die in ein kleineres Haus zog und sich von vielem trennen musste. Sie erzählte mir, dass er ursprünglich ihrer Mutter gehört hatte und schon in den Fünfzigern im selben Flur stand, nur ein paar Straßen weiter. Ich finde, solche Objekte tragen ihre Geschichte sichtbar mit sich, kleine Dellen und Rostflecken eingeschlossen, und genau das macht sie interessanter als jeder neue Schirmständer aus dem Baumarkt.
Der Spiegel als letzter Handgriff
Direkt neben der Tür hängt ein ovaler Spiegel mit schmalem Holzrahmen, tief genug, dass man beim Hinausgehen wirklich noch einmal hineinschaut. Ich habe bewusst einen kleineren, älteren Spiegel gewählt statt eines großen modernen Modells, weil er zum Maßstab des schmalen Flurs passt und nicht dominiert. Ein zu großer Spiegel in einem engen Flur wirkt schnell wie ein Ausstellungsstück, ein kleiner, bescheidener dagegen wie ein praktisches, freundliches Detail, das einfach dazugehört.
Wie diese Fundstücke den ersten Eindruck prägen
Wenn Gäste bei mir zum ersten Mal die Tür öffnen, sagen viele, der Flur fühle sich schon nach einem gelebten Haus an, bevor sie überhaupt das Wohnzimmer gesehen haben. Das liegt, glaube ich, nicht an einem einzelnen Stück, sondern daran, dass nichts davon frisch aus dem Katalog stammt. Gebrauchte Objekte tragen unbewusst eine Botschaft: Hier wird gelebt, nicht nur dekoriert. Und das spürt man offenbar schon in den ersten Sekunden im Flur.
Das Bild oben ist übrigens kein Flohmarktfund, sondern eine gusseiserne Garderobe mit Anker, Leuchtturm und Segelboot, die ich in einem Online-Shop entdeckt habe – so ähnlich hing sie früher in jedem Haus an der niederländischen Küste.



