Der Stand war der letzte in der Reihe, kurz vor der Standabbau-Zeit, und der Händler wollte eigentlich schon seine Kisten zusammenpacken. Zwischen einem Karton mit Werkzeug und einem Stapel Tischdecken stand sie: eine Tischlampe aus Messing, mit einem Fuß, der aussah wie eine kleine Säule, und einem vergilbten Stoffschirm. Ich habe sie hochgehoben, gespürt, wie schwer echtes Messing ist, verglichen mit den leichten Nachbildungen, die man heute oft findet, und wusste, dass ich sie nicht wieder hinstellen würde.
Der Fund und die erste Ernüchterung
Zu Hause angekommen, steckte ich sie voller Vorfreude in die Steckdose, und nichts passierte. Kein Licht, nur ein leises Knacken, das mir sofort einen kleinen Schreck einjagte. Ein Blick auf das Kabel zeigte, warum: brüchiger Stoffmantel, an zwei Stellen fast durchgescheuert, dazu eine Fassung, die innen schwarz verkohlt war. Für zwölf Euro hatte ich sie gekauft, und mir war klar, dass ich sie so nicht einfach anschließen durfte, so gern ich es auch gewollt hätte.
Fassung prüfen, Elektrik erneuern lassen
Ich bin mit der Lampe zu einem Elektriker in der Nachbarschaft gegangen, der sich, wie sich herausstellte, auf alte Leuchten spezialisiert hat. Er hat Kabel, Fassung und Schalter komplett erneuert, den Messingfuß aber unangetastet gelassen, samt der leichten Patina, die ich unbedingt behalten wollte. Das kostete etwas mehr als die Lampe selbst, aber ich sehe es so: Bei alter Elektrik spart man am falschen Ende, wenn man selbst herumbastelt.
Neulich habe ich in einem Online-Shop übrigens eine verstellbare Messing-Tischlampe mit opalweißem Schirm gesehen, die dem Original erstaunlich nahekommt, falls jemand keine Lust auf die Elektriker-Odyssee hat.
Wo sie heute steht
Die Lampe steht jetzt auf dem kleinen Beistelltisch neben meinem Lesesessel, dort, wo abends genug Licht zum Lesen fällt, ohne den restlichen Raum zu erhellen. Der Schirm ist inzwischen ausgetauscht, weil der alte zu vergilbt war, um ihn zu retten, aber die Form habe ich bewusst gleich gelassen. Wenn ich abends daran vorbeigehe und das warme Licht sehe, denke ich fast jedes Mal kurz an den Stand in Bamberg und den Händler, der schon fast seine Kisten zugemacht hatte. Manchmal frage ich mich, ob er ahnt, wie viel Freude sein letztes Stück des Tages noch bereitet.



