Der Verkäufer wollte das Sideboard eigentlich loswerden, bevor der Sperrmüll kam. Ich stand auf einem Hof in der Nähe von Bocholt, roch feuchtes Gras und altes Möbelwachs, und strich mit der Hand über eine Platte aus Teak, die trotz dreißig Jahren Vernachlässigung noch warm aussah. Zwanzig Euro, sagte er, und ich hätte fast mehr geboten, aus schlechtem Gewissen. Seit diesem Tag stehen bei mir drei Holzarten nebeneinander, und ich habe gelernt, dass jede ihre eigene Sprache spricht.
Teak: das Holz der sechziger Jahre
Teak kam in den fünfziger und sechziger Jahren aus Skandinavien und Dänemark nach Europa, mit glatten, schlanken Linien und einer Ölung statt Lack. Man erkennt es an der goldbraunen Farbe, die mit Sonnenlicht nachdunkelt, und an einem leicht öligen Griff, selbst nach Jahrzehnten. Mein Sideboard hatte weiße Wasserringe auf der Platte, die ich mit warmem Teaköl und viel Geduld wieder herausgearbeitet habe - nicht mit Schleifpapier, das hätte die Patina zerstört.
Teak verträgt trockene Heizungsluft gut, reagiert aber empfindlich auf pralle Sonne direkt am Fenster; die Farbe wird dann fleckig statt gleichmäßig zu altern. Ich behandle meine Stücke einmal im Jahr mit Öl, nie mit Möbelpolitur aus der Sprühflasche, die nur einen Film hinterlässt.
Eiche: schwer, ehrlich, fast unverwüstlich
Eiche ist das Gegenteil von Teak: schwer, grobporig, oft mit sichtbaren Ästen und einer Maserung, die wie eine Landkarte aussieht. Meine Großmutter hatte einen eichenen Küchentisch, auf dem drei Generationen Brot geschnitten haben, und die Kerben darin fand ich früher hässlich. Heute finde ich sie ehrlich.
Alte Eichenmöbel aus den zwanziger bis fünfziger Jahren erkennt man an handgeschnittenen Details und an einem Gewicht, das zwei Personen zum Tragen braucht. Ich habe einmal versucht, einen eichenen Stuhl allein die Treppe hoch zu bringen, und bin auf halbem Weg mit schmerzendem Rücken stehen geblieben. Eiche verzeiht Fehler beim Reinigen eher als Teak, aber Kratzer bleiben sichtbar, wenn man nicht mit der Maserung arbeitet.
Kiefer: das leichte Landhausholz
Kiefer ist weicher, heller und deutlich günstiger als Eiche oder Teak, was sie in den siebziger Jahren zum Möbelholz für junge Familien machte, auch bei uns in den Niederlanden. Sie hat auffällige Astlöcher und nimmt Farbe schneller an als andere Hölzer, weshalb viele alte Kiefernschränke mehrfach überstrichen wurden. Unter drei Farbschichten fand ich einmal ein zartes Blau, das offenbar die ursprüngliche Fassung eines Schranks aus meiner Kindheit war.
Kiefer verträgt Feuchtigkeit schlecht und quillt leicht, deshalb landet sie bei mir nie direkt neben der Terrassentür. Dafür lässt sie sich mit Kreidefarbe wunderbar auffrischen, ohne dass man ein schlechtes Gewissen wegen verlorener Patina haben muss - dafür ist sie meist zu jung.
Wie ich die drei Hölzer kombiniere
Ich mische Teak, Eiche und Kiefer bewusst in einem Raum, aber nie im selben Möbelstück, wenn möglich. Ein Teak-Sideboard neben einem eichenen Stuhl wirkt für mich stimmiger als drei gleiche Hölzer nebeneinander, weil jedes für eine andere Zeit steht. Elena, meine befreundete Malerin, hat mir einmal gesagt, ich solle Holz wie Hautfarben behandeln - nie identisch, aber verwandt.
Wichtig ist die Farbtemperatur: warmes Teak vertrage ich schlecht mit kühl gebleichter Eiche, aber gut mit naturbelassener. Bei Kiefer achte ich darauf, dass sie nicht wie ein Fremdkörper wirkt, sondern als leichter Gegenpol zu den schwereren Hölzern im Raum.



