Bei meiner Oma in Nederland kam am fünften Dezember der Sinterklaas, mit Pfefferkuchen in Schuhen und einem Sack voller kleiner Gedichte, die jeder selbst schreiben musste. In Deutschland lernte ich dann einen ganz anderen Rhythmus kennen: vier Kerzen, vier Sonntage, ein langsames Näherkommen statt eines einzelnen lauten Abends. Ich feiere heute beides ein bisschen, was meine deutschen Nachbarn regelmäßig verwirrt.
Alte Christbaumkugeln aus dünnem Glas
Die Kugeln meiner Oma waren aus mundgeblasenem Glas, so dünn, dass man beim Aufhängen kaum atmen wollte. Ich habe zwei davon über die Jahre nach Deutschland gebracht, in Zeitungspapier gewickelt, eine ist trotzdem unterwegs zerbrochen, und ich habe tagelang getrauert wie um ein echtes Verlustereignis.
Auf Flohmärkten suche ich seitdem gezielt nach ähnlich dünnem, altem Glas, oft an der matten, leicht ungleichmäßigen Oberfläche zu erkennen. Moderne Kugeln sind meist dicker und schwerer, was praktischer ist, aber nie ganz dieses zerbrechliche Gefühl von damals erreicht.
Messingkerzenhalter für den Adventskranz
Ein Adventskranz mit Plastikkerzenhaltern kam für mich nie infrage, seit ich einen Satz Messingkerzenhalter vom Flohmarkt in Bocholt gefunden habe, leicht angelaufen, mit kleinen Dellen am Rand. Ich poliere sie nur einmal im Jahr, kurz vor dem ersten Advent, den Rest des Jahres dürfen sie ruhig dunkler werden.
Wichtig ist mir, dass die Kerzen nicht zu dick für die Halter sind - bei zu viel Druck springt manchmal der dünne Messingring, das ist mir einmal passiert, und ich musste den Halter notdürftig mit Draht reparieren.
Sinterklaas und deutscher Advent nebeneinander
Am fünften Dezember stelle ich für mich allein noch immer einen Schuh vor die Tür, auch wenn niemand mehr etwas hineinlegt außer mir selbst, aus Gewohnheit und ein bisschen Trotz. Danach beginnt für mich der eigentliche deutsche Advent, mit dem Kranz auf dem Tisch und einer Kerze mehr an jedem Sonntag.
Meine Nachbarin fragt jedes Jahr wieder, warum ich zwei verschiedene Traditionen feiere, und ich habe irgendwann aufgehört, das zu erklären. Manche Dinge muss man einfach behalten, auch wenn sie nicht ganz zusammenpassen.
Wie ich Deko über die Jahre sammle, nicht kaufe
Meine Adventsdekoration ist über gut zwanzig Jahre gewachsen, nie an einem Nachmittag komplett gekauft. Jedes Jahr kommt vielleicht ein Stück dazu, ein altes Kerzenhalterpaar oder eine einzelne Kugel, nie ein ganzes neues Set. So bleibt die Sammlung uneinheitlich, aber genau das macht sie für mich echt.
Wenn ich die Kiste im November öffne, ist es fast wie ein kleines Wiedersehen mit jedem Fundstück und der Erinnerung daran, wo es herkam - vom Nachbarn, vom Markt in Anholt, aus Omas altem Schrank.



